70.3: Trainieren wird völlig überbewertet

Mit den Ergebnissen im Wettkampf wird abgerechnet, nicht mit den Trainingsumfängen. Ich habe ja nun in den letzten Wochen wirklich wenig trainiert, deshalb fuhr ich gestern mit ein klein wenig Bammel nach Essen zum Blumensaatlauf. Vor Ort war aber alles ganz unkompliziert, ich habe mich schnell nachgemeldet und mir dann den Start des 10km-Laufs angesehen. Knapp 700 Starter waren es hier, mehr als ich erwartet hatte.

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Als die Läufer verschwunden waren, bin ich dann zurück zum Auto, um meine Laufsachen anzuziehen, eineinhalb Stunden später war der Halbmarathon-Start. Die Kleidungsfrage war gar nciht so einfach bei den 5-6°C, die herrschten, ich habe mich aber im Endeffekt goldrichtig für leichtes frösteln am Start entschieden, damit mir im Lauf nicht zu warm wird. Beim Start war dann ganz schön Gedränge auf dem schmalen Weg, es waren auch knapp 500 HM-Läufer am Start, es ging dann aber recht locker los, ich hatte mich einigermaßen gut eingereiht und musste auf den ersten Kilometern wenig überholen und drängeln. Ziemlich genau beim ersten Kilometer-Schild flüsterte mir runtastic eine Zeit von 5:13 min/km ins Ohr. Whoops, war wieder ncihts mit langsam loslaufen, also erstmal die Bremse ziehen. Die darauffolgenden drei Kilometer hatten Zeiten um 5:25 min/km, also nciht wirklich viel langsamer, ich wollte eigentlich in Richtung 6:00 loslaufen und kontinuierlich in Richtung 5:00 steigern.

Da ich mich aber sehr wohl fühlte, habe ich beschlossen, das Tempo jetzt einfach zu halten. Einige Meter vor mir lief eine junge Frau mit dunklem Pferdeschwanz, da wollte ich mich reinhängen. Gedacht, getan, Tempo schnell, aber angenehm, alles taco. Etwa zu dieser Zeit kam mir der führende entgegen, schon mit locker 100m Vorsprung, ein Wahnsinnstempo hat der da an den Tag gelegt und sah ganz entspannt aus. Kurz nach dem 5km-Schild kam dann die erste Wende, an der ich den dunklen Pferdeschwanz aus den Augen verlor, blöd, denn das hatte mir durchaus geholfen, das Tempo konstant zu halten. An der Verpflegungsstelle griff nach einem Becher Wasser, welches netterweise handwarm temperiert war, echt angenehm. Kurz darauf merkte ich, wie eine junge Frau sich neben mir einreihte, langsamere überholte, wenn ich daran vorbeizog und versuchte, sich meiner Schrittfrequenz anzupassen.

Beim Kilometerschild 7 sprach sie mich an und fragte, wie schnell wir denn wären. Ich antwortete wahrheitsgemäß „Der letzte Kilometer war 5:11“, was sie sichtlich erfreute. Geschuldet durch das für mich vergleichsweise hohe Tempo war die Unterhaltung etwas schwerfällig, aber wir sprachen immer wieder ein paar Sätze miteinander. Sie erklärte dann, das sei ihr erster Halbmarathon und man hörte deutlich raus, wie sie Bammel vor der Distanz hatte. Nachdem ich von meinem Ziel „deutlich unter zwei Stunden“ erzählte, sagte sie „Ich bleib mal ein bisschen bei dir dran“, was mir ganz recht war, denn unser Tempo war super-konstant.

An der zweiten Wende gab es merkwürdigerweise nur Tee, kein Wasser. Ich wollte keine Experimente eingehen und hab verzichtet. Bei dieser Temperatur hatte ich zwar nicht so sonderlich viel Durst, aber man schwitzt ja trotzdem, ein Becherchen Wasser wäre da schon ganz nett. Etwa als wir Kilometer 12 waren, kam uns der Führende ein letztes Mal entgegen, er sah immer noch entspannt aus, er ist dann mit 1:11:48 ins Ziel gelaufen, der Wahnsinnige! Unser Tempo war zwar nicht ganz so hoch, aber durchaus respektabel und immer noch sehr konstant: zwischen Kilometer 7 und 16 schwankten meine Zeiten zwischen 5:10 und 5:14 min/km. An der letzten Wende kam meine Begleiterin dann etwas besser los und hatte ein paar Meter Vorsprung. Wir hatten vorher schon mal drüber gesprochen, dass wir wenn die Körner reichen sollten, die letzten fünf Kilometer nochmal Gas geben wollten. Am Verpflegungsstand war mir dann jemand voll im Weg, sodass ich nochmal wertvolle Sekunden und Meter verlor, inzwischen trennten uns locker 50m. In meinen Beinen brach Müdigkeit aus, keine Chance, mich da noch ranzukämpfen. Jetzt musste ich also alleine weiter kämpfen und meine Kilometerzeiten sackten auf 5:20 bis 5:27 ab, an sich nicht tragisch, denn ich war immer noch auf Kurs zu einer guten Zeit, aber irgendwie ärgerte mich, dass ich nicht sofort aufgeschlossen habe, gemeinsam mit ihr hätte ich sicher noch eine Schippe drauflegen können.

Den letzten Kilometer habe ich dann wieder etwas schneller abreißen können und so stand 1:52:17 auf der Anzeigetafel, als mein Schuh über die Matte piepte. Da ich beim Start ja ein kleines bisschen brauchte, bis ich über die Startlinie gelaufen bin, ist die Netto-Zeit sogar 1:51:50. Wahnsinn! Mit so wenig Training habe ich mich selbst überrascht! Im Ziel sah ich meine Mitstreiterin dann wieder, die zwei Minuten vor mir angekommen war, sie grinste dann nur auf meine Frage, woher sie die Energie am Ende genommen hatte. Ich habe dann meine Sachen geholt und bin zu Claus gefahren, der freundlicherweise eine warme Dusche und ein leckeres Essen für mich parat hatte, vielen Dank nochmal dafür.

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