70.3: Erstmal ein bisschen Radfahren

Willkommen zum Nachfolger von Projekt M13. Ich habe mir vorgenommen, nach dem Marathon nicht gleich wieder mit Sport aufzuhören, wie es mir ja schon einmal passiert ist, sondern dran zu bleiben und mich weiter zu fordern. Daraus ist die Idee zu Projekt 70.3 entstanden, was genau das bedeutet, werde ich im nächsten Eintrag erläutern, denn hier geht es erstmal um die ersten Trainingseinheiten für 70.3, die nämlich bereits absolviert sind.

Genau eine Woche nach dem Marathon bin ich mit Robson in einen Flieger gen Mallorca gestiegen, um eine Woche Radurlaub dort zu verleben. Also habe ich mir die Nacht schön mit dem Ironman Hawaii um die Ohren geschlagen (war übrigens super interessant) und bereits um 9 Uhr begrüßte uns Mallorca mit 25° und Sonnenschein. Richtig schön, immerhin hab ich auch schön länger nicht mehr richtig Urlaub gemacht gemacht, da machen Palmen direkt was her! Kurzer Bustransfer ins Hotel, schnell einchecken und dann sind wir direkt in den Radshop, der direkt ans Hotel angeschlossen liegt. Wir wurden sehr nett empfangen und nahmen unsere (wirklich guten) Räder und unser Begrüßungspaket entgegen. Die Räder konnten wir dann direkt im Keller des Hotels anschließen, das übrigens direkt am Strand gelegen und frisch renoviert ist. Unser Blick vom Balkon ging über den Pool hinweg direkt aufs Meer, ziemlich nice!

Auspacken, kurz ausruhen, Sachen zurechtlegen und was macht man dann? Klar, der ein oder andere wäre jetzt an den Pool oder den Strand gegangen, wir sind aber auf die Räder gehüpft, um diese ein wenig kennen zu lernen und schon mal ein klein wenig einzurollen. Ich sitze kaum richtig im Sattel, da blinkt mir der kleine Rad-Tacho an Lenker entgegen: 27…29..31… km/h! Ja, sag mal, ist der denn richtig eingestellt? runtastic hat uns später verraten, der ist tatsächlich richtig eingestellt! Es ist halt doch etwas anderes auf einer modernen Carbon-Schüssel als auf meinem alten Stahl-Koloss. Unsere kleine Tour zeigte jedenfalls schon mal, dass die Gegend wirklich ganz schön ist. Unser Hotel lag in Ca‘ Picafort, wir sind ein kleines bisschen nach Norden nach Port d’Alcudia geradelt. Es wurde dann auch nur eine kleine Runde, etwa 29km, aber da wurde auf jeden Fall der Wunsch im Körper groß, ordentlich Rad zu fahren.
Am Abend wurden dann alle Radgäste begrüßt und die Tourenleiter vorgestellt, ich war mir irgendwie unsicher, denn ich wollte mich zwar fordern, aber auch nicht überfordern und möglicherweise als Volltrottel da stehen, der sich übernommen hat.

Am Montagmorgen startete dann also die erste Tour, alle Gruppen versammelten sich vor dem Radshop und der Guide der schnellsten Gruppe schraubte nochmal die Geschwindigkeitsangaben etwas nach unten, also ich spontan in diese Gruppe gewechselt, Rob wollte in der Hobbygruppe mitfahren. Nachdem die Gruppen etwas getrennt waren, gab es dann nochmal eine ganz kurze Einweisung: es wird Zweierreihe gefahren, wir bleiben zusammen, Zeichen werden durchgereicht und so was halt. Dann ging’s ab aufs Rad und keine 4km weiter überholten wir auch schon Rob’s Gruppe, die am Straßenrand stand und offensichtlich einen Unfall hatte. Ich hatte das in dem Moment nicht richtig gesehen, tatsächlich war Rob sogar darin verwickelt, ihm ist aber aber (nahezu) nichts passiert, eine andere aus der Gruppe hatte es aber völlig zerlegt: Krankenhaus, Operation kompliziert und besser in Deutschland machbar, Rückflug. All das erfuhr ich aber erst später bei der Mittagspause, wo wir die Gruppe dann noch kurz trafen. Das Fahren war in der Gruppe zügig, aber angenehm, da ich viel im Windschatten lutschen konnte, nur an Steigungen kam ich ganz schön an meine Grenzen. Auf jeden Fall hat es schon mal wahnsinnig Spaß gemacht und so war das alkoholfreie Erdinger beim Einkehren in einem Cafe direkt am Strand dann auch wirklich verdient. Übersicht Montag:
malle_1

Am Dienstag wachte ich morgen mit den Überresten meiner Erkältung, die ich mir nach dem Marathon zugezogen habe, auf. Ich hustete, meine Bronchien waren belegt, mir ging es ganz schön beschissen. Nach dem Frühstück legte sich das zum Glück, aber irgendwie war ich mir unsicher, ob ich so die Anstiege auf der hetigen Tour schaffen würde, also bin ich lieber in Rob’s Gruppe gewechselt. Dort war die Stimmung trotz Unfall am Vortag hervorragend, die Leute waren alle super nett (zum Teil waren die Teilnehmer in der ambitionierten Gruppe doch etwas verbissen und verkniffen) und soooo sonderlich viel langsamer waren wir hier auch nicht unterwegs, also alles tutti. Vormittags war es noch etwas windig, aber dann wurde das Wetter auch wieder absolut traumhaft. Hier zog sich das Feld an Anstiegen aber deutlich mehr auseinander und so wurde immer am Gipfel von jedem Hügel gewartet, bis wieder alle beisammen waren, das wurde auch immer wieder betont: jeder fährt seinen Stiefel und es wird keiner zurückgelassen. Anstiege habe aber den ganz großen Bonus, dass es irgendwann auch wieder runter geht, hier haben wir das Waschbrett kennengelernt, eine Strecke der ziemlich asphaltiert ist und über 10km mit kleinen Wellen bergab führt. Es hieß hier: freies Fahren, also habe ich mich klein gemacht, so aero wie eben möglich und hab getreten was die Beine hergaben. Zusammen mit einem anderen bin ich dann diese Strecke hinuntergebügelt, immer im Wechsel der Reihenfolge, um den Windschatten schön zu nutzen. Meine Güte, hat das Laune gemacht. Als Abschluss der Tour sind wir dann wieder am Strand eingekehrt, ich habe aber nach einem schnellen Erdinger einen Abflug gemacht, hab die Rad- gegen Laufschuhe getauscht und bin noch eine kleine Runde laufen gegangen. Waren am Ende dann nur ganz gemütlich 5km, denn es wurde ganz schön sonnig und heiß, aber die andere Bewegung in den Beinen war schon ganz gut. Übersicht Dienstag:
malle_2

So ganz richtig frei waren meine Atemwege auch am Mittwochmorgen nicht und da es mir ohnehin ziemlich gut gefallen hatte, bin ich wieder mit Rob in Willi’s Gruppe gefahren, denn hier dürfte es bereits hügelig genug werden. Kurz vor Mittag sind wir am Rande des Örtchens Petra einen kleinen Anstieg hoch, den Rob mit drei anderen als Anlass sah, lieber den Marktplatz von Petra auszusuchen und dort auf uns zu warten. Der Rest hat sich dann auf die rund 3km lange Strecke zur Wallfahrtskirche Bonany gemacht, die natürlich oben auf einem Berg gebaut wurde. Der Anstieg war echt heftsch, zweimal habe ich echt gedacht: „OK, wenn nach dieser Kurve kein Ende in Sicht ist, steig ich ab!“ Am Ende bin ich aber in einem Rutsch hoch und habe das Wasser aus dem Brunnen sehr genossen, der die Sonne brannte wirklich erbarmungslos herunter. Die Mittagspause in Petra war danach mehr als verdient. AUf dem Rückweg haben wir noch eine Radrennbahn besucht, aber den Berg und die vergangen Tage steckten in den Beinen, sodass keine Leistung mehr rauszuholen war. Lustig war es dennoch, einmal auf so einer Bahn zu fahren. Übersicht Mittwoch:
malle_3

Der Donnerstag war dann der Ruhetag, den Rob und ich lieber am Strand als auf dem Rad verbrachten. Das herrliche Wetter lud sogar zu zwei kleinen Sprüngen ins Meer ein, das Wasser war nach kurzer Eingewöhnung schon echt angenehm. Eigentlich wollte ich noch ein kleines Triathlon-Programm einlegen, aslo Schwimmen, radeln und laufen am Stück, aber es war so warm und ich war ganz schön geschafft, außerdem wartete ja bereits die Königsetappe auf uns.

Freitag begann unsere Tour bereits eine halbe Stunde früher als üblich los, denn es sollte mal richtig in die Berge gehen.Bis zur ersten Mittagspause sind wir einigermaßen flach an die Berge im Norden der Insel herangefahren und haben dann im Örtchen Bunyola auf knapp 200m Höhe kurz Pause gemacht, denn danach kam ein langgezogener Anstieg zum Coll d’Honor mit seinen 550 Metern über NN. Hier war es nicht ganz so steil wie nach Bonany hoch, aber Kilometerum Kilometer immer ein paar Prozent Steigung zu radeln ist schon echt hart. Danach ging es durch enge Serpentinen ein bisschen auf und ab nach Orient und kurz dahinter hieß es wieder „freie Fahrt“, was ich erneut voll auskostete. Diese Strecke war allerdings deutlich kurviger und damit nicht ganz so schnell, aber es ging auch nur bergab. War auf jeden Fall ein Riesenspaß. Nach einer zweiten Mittagspause in Biniamar traten wir dann den Rückweg an, auf dem wir dank dem herrlichen Rückenwind nochmal ordentlich Tempo gemacht haben, das Bier am Abend schmeckte natürlich wieder herrlich! Übersicht Freitag:
malle_4

„Locker ausrollen ist was anderes!“ hörte ich immer wieder als Kommentar zur Strecke am Samstag. Sonderlich kürzer war die Strecke tatsächlich nicht, aber ich fand das schon ok so, schließlich bin ich ja zum Fahrradfahren da. Schade war allerdings, dass die Tour hauptsächlich entlang von stärker befahrenen Schnellstraßen verlief. Der Berg auf dem Weg nach Artà war dann noch ein letztes mal eine Herausforderung bis es am Nachmittag dann zum Putzen der Räder ging, natürlich erst nach einem Bier, ist doch klar! Leicht wehmütig haben wir dann also die Räder abgegeben und ich bin wenigstens noch einmal in den Hotelpool gehüpft, aber damit war der sportliche Teil unserer Reise endgültig beendet. Danach gab es nur noch nette Gespräche bei reichlich Getränken! Übersicht Samstag:
malle_5

Der Rückflugtag war dann ganz entspannt und es hat alles so super geklappt wie auch an allen Tagen zuvor. Insgesamt eine wirklich schöne Reise und ich bin absolut angefixt, ich könnt mich glatt daran gewöhnen so etwas jedes Jahr zu machen! Etwas mehr Laufen hatte ich mir eigentlich vorgenommen, aber passt schon, das kann ich auch hier nachholen, denn jetzt geht’s weiter mit Projekt 70.3, diese Woche war quasi der Auftakt.

M13: Oberschenkel strapazieren im Oberharz

Öfter mal angedacht, jetzt endlich spontan durchgeführt: Robson und ich haben uns auf den Weg in den Harz gemacht, um ein wenig die Räder am Berg zu testen. Oder die eigenen Fähigkeiten. Oder das Fehlen eben solcher. Der Weg ist natürlich ganz schön weit, „nur“ um mal eben ein bisschen Rad zu fahren, aber ganz ehrlich: das hat sich richtig gelohnt. Zunächst ging es nach Altenau, wo wir die Räder vom Auto geschnallt und uns in die Radklamotte geworfen haben. Danach ging’s los.

Vom Glockenberg in Altenau runter in den Ort, unten sind es etwa 460 Höhenmeter über NN, locker 50m tiefer als der Glockenberg, da gab es also zur Einstimmung schon mal einen nette Runde Berg-runterrollen für Anfänger. Dann über die Landstraße in Richtung Torfhaus in rund 810m Höhe. Bereits die ersten Ansätze von Steigung haben volles Rohr reingeknallt, meine Güte, am Berg bin ich echt ne Niete. Immerhin habe ich mich durchgerungen, die Strecke komplett zu radeln, auch wenn ich auf knapp 11km drei Pausen einlegen musste, Robson hatte da weniger Puste und hat einige Passagen das Rad neben sich schieben müssen. Kurz vor Ende der Tortur gab es dann die erste Belohnung, ein langgezogenes Bergab-Stück, herrlich! Oben dann die zweite Belohnung, die freie Sicht auf den Brocken… ach ne, der war in einer Wolke versteckt…

IMG_20130924_132855

Bis hierhin habe ich mich echt gequält, ich muss zugeben, dass ich die Steigung zwar hart, aber nicht so hart eingeschätzt hatte. runtastic hat eine durchschnittliche Steigung von 7% errechnet, maximal sollen es 17% gewesen sein, dabei sind wir insgesamt 423 Höhenmeter aufwärts gefahren, nur 130 bergab. Zu der Zeit, die runtastic da anzeigt kommen noch 22min Pausen.

Screenshot_2013-09-24-13-19-19

Nach einer kurzen Verschnaufpause haben wir dann den weiteren Weg angetreten. Von Torfhaus in Richtung Braunlage zum Oderteich, dann über Sonnenberg zurück nach Altenau. Zunächst ging hier die Strecke mal leicht rauf, mal leicht runter, alles im Rahmen von vielleicht so 100 Höhenmetern. Nach zwei drei netten kleinen Abfahrten kam dann eine lang gezogene Steigung, laut Karte sollen das nur 50m sein, die es hoch ging, aber es war echt steil und es zog sich wie Gummi. An der erlösenden Bergkuppe habe ich dann erstmal auf einem Baumstumpf Rast gemacht und auf Rob gewartet, der hier wieder den Schiebemann einlegen musste. Ich geb ja zu, ich war auch kurz davor abzusteigen, aber mein Ehrgeiz kam durch und hat mich in die Pedale treten lassen. Die Belohnung lag aber direkt hinter der Bergkuppe: Die aalglatte Straße verliert auf 3km Länge über 200 Höhenmeter. Rollen lassen, den Fahrtwind genießen, einfach herrlich. Ich habe dabei nochmal deutlich den technischen Unterschied unserer Räder gemerkt, denn Rob sauste bergab mit seiner Carbon-Schüssel regelrecht an mir vorbei, währen ich bei höherem Tempo hauptsächlich gegen Reibungswiderstände treten musste. Das letzte Stück führte dann über die Landstraße durch den Wald nach Altenau, hauptsächlich bergab, alles recht locker.

Zurück am Auto haben wir uns dann kurz beraten, wie und ob wir weitermachen wollten. Die Entscheidung fiel auf lockeres ausrollen im Ort und einkehren. So sind dann nochmal etwas mehr als 10km gemütlich ins Okertal und eine Stärkung in Form von Currywurst/Pommes zusammengekommen. Das letzte Stück im Ort konnten und wollten wir dann aber beide nicht mehr strampeln und haben die Räder über die abkürzende Treppe nach oben auf den Berg bugsiert.

Alles in allem ein sehr gelungener Ausflug, ziemlich anstrengend, aber auf jeden Fall wiederholungsbedürftig. Für Mallorca steht nach dieser Tour aber wohl fest, dass wir dort getrennte Wege gehen, auch wenn ich mir gar nicht so viel mehr zutraue als er, unser Leistungsniveau geht halt schon etwas auseinander, gerade am Berg. Wir werden sehen, wie’s läuft, vor allem, ob ich nach dem Marathon überhaupt anständig Fahrrad fahren kann. Bis dahin ist ja aber noch etwas hin. Ich mach jetzt erstmal wieder eine künstlerische Pause bin zum Wochenende und lege dann eine kleine Laufeinheit ein.