M13: Jubiläumseintrag

Heute vor genau sechs Jahren habe ich nachfolgenden Eintrag geschrieben. Ich habe ein paar Passagen gekürzt, aber irgendwie fand ich passend, diesen Eintrag hier heute erneut zu veröffentlichen. Damals hat mich mein Mentor Thilo nach gerade einmal 6 Monaten so fit gehabt, dass ich den Bremen-Marathon gelaufen bin. An dieser Stelle nochmal ganz ausdrücklich: Danke!

Gestern habe ich mit Thilo meine Startunterlagen in den Messehallen abgeholt, wo es auch eine Pastaparty gab. Naja, die war ein wenig fehlorganisiert, aber wir haben dennoch zwei riesengroße Teller Spaghetti reingedrückt. Danach war bei mir nur noch ein entspanntes Wannenbad und dann ausruhen und schlafengehen angesagt. Schlafen hat irgendwie nicht so toll funktioniert, aber letztendlich bin ich doch noch halbwegs früh eingepennt und heute 2min vor dem Wecker um 06:20 Uhr aufgewacht. Nach ein ganz paar Müsliflocken, einem Kaffee und einem Multi-Saft bin ich dann in eine mit vielen grün-beteulteten Menschen besetzte Bahn eingestiegen.

Vor Ort trafen Thilo und ich dann recht schnell auch Maria und Andi, die unsere Sachen für uns verwahrten. Nach einem kleinem Aufwärmründchen auf der Bürgerweide sind wir dann auch schon in unseren Startblock. Stimmung war gut, die meisten waren da recht locker drauf und recht bald hörten wir zwar keinen Startschuss, sahen aber, wie sich die Menschen in Bewegung setzten. Auf den ersten zwei Kilometern durch die Innenstadt hatte ich irgendwie das Gefühl, wir wären furchtbar langsam, wir waren aber schon hier sehr gut im Kurs: Zielzeit bzw. minimal schneller. In der Neustadt begrüßten uns dann aus einem Fenster schon Katharina und ihre Freundinnen, das geht doch gut los!

Beim ersten Versorgungstresen herrschte dann shcon ziemlich Gedränge, aber ich habe genug Wasser abbekommen. Ich war ganz froh, dass ich das schon mal in Goldenstedt geprobt hatte, so wusste ich, dass ich an jeder Station gut zwei oder drei Becherchen Wasser vertragen kann. Und so trabten wir in einem recht großen Feld immer weiter rund um den Werdersee. In Habenhausen gab’s dann eine 10km-Zeit: wir sind super in der Zeit. Über eine meines Erachtens deutlich zu Enge Brücke am Weserwehr sind wir dann wieder auf die rechte Seite der Weser, wo dann auch deutlich mehr Publikum auf uns wartete. Vielleicht war’s vorher auch einfach zu früh.

Bishierhin hatten wir den 4-Stunden-Pacemaker eigentlich immer ein ganz schönes Stück abgehängt, bei Kilometer 17,5 an der Versorgungsstation war er mit einem Mal direkt vor uns. Also haben wir die Gelegenheit genutzt, von hier an direkt vor ihm weiter zu laufen. Nun gings auch so langsam in „meine“ Region, auf der Bgm.-Spitta-Allee waren Andi und Maria mit Fahrrädern ausgerüstet wieder da. Mir gings immer noch super und so konnte ich hier noch ein paar Späße machen, kurz darauf merkte ich aber bereits erste Ermüdungserscheinungen, welche aber durch den Versorungsstand und einen Kohlehydrat-Drops schnell wieder ausgeglichen wurden. an der Kreuzung Herzogenkamp-Leher Heerstr. erwarteten mich dann meine Eltern: lautstark! Kurz darauf waren nicht nur wieder Andi und Maria da, sondern auch Frau Zippel, die mir von Streckenrand zuschrie!

Auf der Parkaallee und im Bürgerpark waren wir dann immer in einer Gruppe mit dem 4-Stunden-Pacemaker, der an den Kilometerschildern immer wieder seine Zeit kontrollierte, wir waren also noch voll im Rennen. Am Torfkanal hörte ich mit einem Mal wieder vertraute Stimmen: Frauke, Johannes und Inge standen dort. Jo hatte ja im Frühjahr eine Zeit von 3:57 Stunden vorgelegt. Für mich wurde der Weg langsam etwas schwieriger, aber noch waren wir auf Zielzeit. Kurz vor Kilometer 30 gingen mir mit einem Mal die Kräfte aus. Nur mühsam konnte ich mich zu der Versorgungsstation kämpfen die Natürlich hinter einer Unterführung lag, also musste ich auch noch ein paar Höhenmeter überwinden. Dort kippte ich mir erstmal nen Iso-Drink, reichlich Wasser und Bananen in den Hals, das hat auch ganz gut geholfen. Dennoch verloren wir kurz danach den Pacemaker, der nun gute 200m Vorsprung vor uns hatte. An der Weserpromenade ging’s dann einigermaßen, mir kamen die Abstände zwischen den Vorsorgunsständen zwar immer länger vor, aber es ging.

Nach dem Weserstadion kam mal wieder eine harte Probe: Den Osterdeich hinauflaufen, großes Tennis. Christopher saß aber am Straßenrand und feuerte mich an, er hatte letztes Jahr den Marathon mit 4:17 Stunden geschafft. Dieses Mal hatte er sich nur für einen 10km entschieden, mit den Fahrrad neben mir fahrend, erzählte er mir davon. Auf meine Frage, welche Zeit er hätte, sagte er, wir müssten uns auch nicht jetzt unterhalten, ich muss furchtbar ausgesehen und geklungen haben.

Kurz vor der 40km-Marke kam ein erneuter Einbruch, Thilo drehte sich um und lief rückwärts, um mir seinen Standpunkt klarzumachen: „Du weißt, dass du es schaffen kannst“. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass cih es tatsächlich noch schaffen konte, ich war zwar minimal über Zielzeit, aber es war noch drin. Auch die 4 Becher Wasser und die Bananen am letzten Versorgunsstand konnten mich allerdings nicht richtig aufbauen. Jetzt, gerade einmal 2km noch zu laufen, wollte mein Körper einfach nciht mehr. Ich versuchte schubweise, alle Energie aufzukratzen und weiterzurennen, aber ich knickte ein. Thilo versuchte rührend, mir Mut zu machen, aber als ich auf der Theodor-Heuss-Alle merkte, dass die 4 Stunden gegessen sind und meine Beine nichts sehnlicher wollten als abfallen, fing ich an zu gehen.

Ein wirklich netter älterer Herr (scheinbar Türke) packte mich am Arm und sprach auf mich ein, ich müsse doch kämpfen, wie in Trance wimmelte ich ihn ab. Thilo schaffte es dann doch, mich zu bewegen: „Vielleicht kommen wir langsam ins Ziel, aber im Laufschritt, nicht gehend!“ Und so trottete ich mehr wankend als laufend in den AWD-Dome, wo wir gemeinsam bei einer Netto-Zeit von 04:04:58 Stunden ankamen. Zuerst fiel ich Thilo um den Hals, bei dem ich mich bedankte, dann meiner Mutter, die am Rand stand. Komisch, obwohl mir alles weh tat, war ich den Moment unglaublich glücklich und drückte jeden, der mir am Streckenrand bekannt vorkam.

Thilo und ich trotteten dann weiter in den AWD-Dome, wo wir reichlich Wasser, Erdinger alkoholfrei, Obst und Traubenzucker konsumierten. Wir schauten uns dann zwar den Bereich mit Duschen, Umkleiden und Massagen an, entschieden uns aber zu verzichten. Draußen wurde ich dann von jeder Menge Leuten begrüßt, die mich beglückwünschten. Es war ein unbeschreiblich geiles Gefühl!

Ich kann nur jedem empfeheln so etwas mal zu machen. Ein Marathon laufen? Das vielleicht auch, vor allem aber sich ein wirklich hohes Ziel setzen, hart daran arbeiten und es dann (vielleicht auch nur nahezu) schaffen! Ich hab mein Ziel um gerade einmal 2% verfehlt….